Interview mit Dr. Hans-Harald Köhler, Arzt in der Allgäu Sonne

Haben Sie eine besondere Ausbildung zum "Schrotharzt"?

Voraussetzung zum "Schrotharzt" ist ein Zulassung zum Badearzt. Das ist eine 2-jährige berufsbegleitende Ausbildung, die ich in den 90iger Jahren gemacht habe. Ansonsten gibt es immer wieder Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen unserer Schrothärzte. Die Weiterentwicklung wird diskustiert und es findet ein reger interner Austausch statt. Wir fünf "Schrothärzte" treffen uns ca. alle 3 Monate.

Gibt es Fortbildungen?

Ja, es finden immer wieder interne Fortbildungen statt, zum Beispiel mit Dr. Glück, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologe zum Thema Diabetes und Schrothkur.

Haben Sie selbst schon eine Schrothkur gemacht?

Ja, bereits 8x, jeweils ca. 2 Wochen, das letzte Mal im August 2015. Die nächste ist geplant.

Was ist die ideale Länge einer Schrothkur?

Für eine leichte Erholung reicht auch eine Woche. Ansonsten würde ich mindestens 12 Tage empfehlen und am besten wären 3 Wochen. Bei schwerer Arthritis, Rheuma oder Hauterkrankungen auf jeden Fall 3 Wochen. Zu einer Cholesterinsenkung von mind. 20% sind 2 Wochen notwendig.

Was finden Sie aus ärztlicher Sicht besonders gut an der Schrothkur?

Mir gefällt vor allem das Teilfasten. Dies wird erfolgreich in allen Hochkulturen praktiziert. Ich finde dies viel besser als das komplette Fasten. Es hat einen psychologisch viel höheren Wert etwas Gutes zu essen aber in Maßen.

Was sagen Sie zu den Packungen?

Die sind sehr wichtig, da sie ein Stoffwechselkatalysator sind. Das ganze System wird angeregt. Es dient der Hautverbesserung und die natürliche Hormonbildung wird angeregt. Die Schrothkur ist übrigens ein Geheimtipp bei Kinderwunsch. (Erfahrungskunde nicht klinisch bewiesen)

Würden Sie es jedem empfehlen? 

Patienten, die eine Abwehrschwäche haben, extrem unterernährt sind oder deren psychischer Zustand sehr sehr labil ist, würde ich abraten. Absonsten ist die Kur eigentlich jedem zu empfehlen, manchmal muss sie angepasst werden. Der Diabetes mellitus-Patient bekommt zum Beispiel ein Frühstück, der Thrombosepatient muss mehr trinken...

Was sind für Sie die Nachteile der Schrothkur?

Eine Schrothkur bedeutet Verzicht und Disziplin, das ist manchmal schwierig. (Aber wenn man es geschafft hat, auch wieder ein besonderes Hochgefühl. Anmerkung der Redaktion)

 

Was passiert bei der Voruntersuchung? Worauf geben Sie acht, was wird untersucht?

Hauptsächlich geht es um den Ausschluß von Risikofaktoren wie Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Thrombosen, Verschlusserkrankungen, Erkrankungen der Schilddrüse oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Niereninsuffizienz, Leberfunktionsstörung.

Dann geht es um die Erstellung eines sinnvollen Kurplanes: Massagen, Krankengymnastik, Lymphdrainage, Rosskastanien-Beinwickel etc. Es gibt so viele Behandlungen im Hause, die den Kurerfolg unterstützen, aber nicht jede ist sinnvoll für jeden.

Was halten Sie vom Alkohol während der Kur?

Aus der Tradition heraus sind kleine Mengen an Kurwein durchaus in Ordnung. Wein ist stoffwechselanregend. 

Gibt es Untersuchungen, die Sie im Vorhinein empfehlen?

Im Prinzip nein, nur wenn ganz extreme Vorerkrankungen vorliegen, ist es sinnvoll die Untersuchungsergebnisse mitzubringen.

Wobei kann die Schrothkur helfen, abgesehen von der Gewichtsabnahme?

Hauterkrankungen, allergische Erkrankungen wie zum Beispiel auch Heuschnupfen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Regulation des Magen-Darm-Traktes, Gelenkbeschwerden, erhebliche Senkung des Blutdruckes, des Cholesterins, der Harnsäure, bei Stoffwechselerkrankungen.

Lässt sich der Erfolg der Kur messen?

Anhand der Blutwerte vorher und nacher (Blutzucker, Harnsäure, Cholesterin, Leberwerte, der Nierenwert), Messung des BMI und der Körperfettanalyse (2x die Woche bei der Sportbetreuung).

Gibt es noch etwas womit Sie den Kurerfolg unterstützen können?

Ich möchte nochmals die Wichtigkeit der Erstellung eines sinnvollen und individuellen Kurplanes betonen. Wir haben so tolle unterschiedliche Behandlungsmethoden in der Abteilung für Physiotherapie. In meiner Praxis biete ich zusätzlich z.B. Schmerztherapie, Neuraltherapie oder Akupunktur an. In meiner 20-jährigen Erfahrung in der Psychotherapie ist ein Kompaktprogramm (Body Mind Balance) enstanden, dass zu einem spürbaren Entspannungsreiz führt. In relativ kurzer Zeit bekommt man eine Idee zu einer längerfristigen Änderung bestimmter Stressmuster. Stresserkrankungen wird zuvor gekommen. Mit Hilfe der Herzratenvariabilitätsmessung zum Beispiel können wir den aktuellen Stand des vegetativen Nervensystems messen.

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